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Wie ist das eigentlich mit lärmenden Nachbarn?

Haben Sie Fragen zum Thema „Wohnen“? Unser Mietrechtsexperte und Ombudsmann

Mag. Robert Puhr erteilt Ihnen gerne Auskünfte. Unsere Mieterinnen und Mieter fragen, der

Ombudsmann antwortet!


Wie ist das eigentlich, wenn mein Nachbar auszieht, und ich einen neuen Nachbarn bekomme, der viel lauter ist als der alte Nachbar?

Grundsätzlich müssen Sie das hinnehmen, solange sich der Lärm im Rahmen des ortsüblichen hält, und die Belästigung durch den neuen Nachbarn von einem durchschnittlichen Menschen als erträglich empfunden wird. Einen Anspruch, dass die Störungen durch den neuen Nachbarn nicht größer werden als durch den bisherigen gibt es grundsätzlich nicht, solange sich das im ortsüblichen Rahmen bewegt.


Und was heißt jetzt ortsüblicher Rahmen?

Das hängt vom Einzelfall ab und ist schwer zu verallgemeinern. Es kann aber grundsätzlich festgehalten werden, dass Bewohner von Mehrfamilienhäusern – und die sind bei den Genossenschaftsbauten wohl die Regel – mehr Lärm vom Nachbarn erdulden müssen, als Bewohner von Einfamilienhäusern oder Reihenhäusern. Ebenso sind auch die Einflüsse aus der Umgebung beachtlich: Da haben Mieter schon die Gerichte bemüht, wenn am Land in der Früh der Hahn täglich gekräht hat oder sie um sechs Uhr morgens vom Läuten der Kirchenglocken geweckt wurden. Das ist ortsüblich und muss hingenommen werden. Auch wenn allgemein bekannt ist, dass zum Beispiel ein Zug in der Nähe vorbeifährt oder eine stark befahrene Straße am Haus vorbeiführt, ist das auch hinzunehmen. Ob man eine solche Wohnung überhaupt anmietet, muss man sich vorher überlegen.


Und wann darf man in der Wohnung laut sein?

Im Mehrfamilienhaus sollte ich einerseits grundsätzlich immer besondere Rücksicht auf den auf der anderen Seite der Wand wohnenden Nachbarn bzw. auf die unter oder über mir wohnenden Menschen nehmen. Andererseits wird man auch eine besondere Toleranz zeigen müssen, um gut miteinander auszukommen. Grundsätzlich sind die Lärmschutzverordnungen der Gemeinden einzuhalten. Überdies sieht die Hausordnung der meine heimat eine absolute Ruhezeit von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr vor und gestattet ab 19.00 Uhr grundsätzlich keine besonders lärmerregenden Arbeiten. Beim engen Zusammenleben im mehrgeschossigen Wohnbau ist es aber grundsätzlich zu dulden, wenn man außerhalb der Ruhezeit den Nachbarn in einem erträglichen Ausmaß hört.


Und wie schaut das mit dem Musizieren in der Wohnung aus?

In der Wohnung lebt man, und Musizieren gehört zum Leben und zum Wohnen. Der Oberste Gerichtshof mutet den Nachbarn von Hobbymusikern zu, dass diese bis zu eineinhalb Stunden täglich das Musizieren in Nachbarwohnungen erdulden müssen. Freilich darf das nicht in den Ruhezeiten und an Sonn- und Feiertagen sein. Bei Profimusikern und Musikstudenten können aus den eineinhalb Stunden aber auch schon bis zu vier Stunden werden.


Und wenn ich krank bin? Muss ich das dann auch ertragen?

In einem solchen Fall sollte man das am besten mit dem Nachbarn absprechen. In diesem Fall ist eine besondere Rücksichtnahme geboten. Umgekehrt gilt aber auch, dass bei Kleinkindern oder psychisch beeinträchtigten Personen in der Nachbarschaft eine besondere Toleranz erwartet wird.


Und wenn ich einmal Party machen möchte?

Dann sollte man das mit den Nachbarn im Vorhinein absprechen, oder am besten gleich alle Nachbarn einladen. Das fördert nicht nur eine gute Nachbarschaft, sondern vermeidet auch Schwierigkeiten und Verdruss.