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Wie ist das eigentlich? Wen muss ich in meine Wohnung lassen?

FRAGE: Wie ist das eigentlich, wenn ich Mieter einer Wohnung bin, kann mich der Vermieter da ständig kontrollieren und die Wohnung besichtigen?

Nein, grundsätzlich muss der Mieter niemanden in die Wohnung hinein lassen, wenn er das nicht will. Eine Ausnahme besteht nur wenn es sich um einen zumutbaren Eingriff in das

Mietrecht handelt, dieser notwendig ist und der Mieter bei der Ausübung seines Mietrechtes nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Bei der Beurteilung, ob dem Mieter das Betreten durch

den Vermieter zumutbar ist oder nicht, hat eine Interessensabwägung stattzufinden.


FRAGE: Das klingt jetzt sehr theoretisch. Und was bedeutet das in der Praxis?

In der Praxis heißt das, dass der Vermieter zunächst einmal einen Grund braucht, um die Wohnung betreten zu dürfen. Hat der Mieter einen wichtigeren Grund ihm das zu versagen,

kann er das machen. Ein wichtiger Grund des Mieters wäre zum Beispiel, wenn der Mieter schwerer erkrankt, aus beruflichen Gründen abwesend oder auf Urlaub ist. Wenn der Ver-

mieter aber einen wichtigen Grund hat, wird der Mieter den Zutritt in die Wohnung nicht auf Dauer verhindern können.


FRAGE: Und was sind wichtige Gründe des Vermieters?

Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn der Zutritt im Rahmen von Sanierungsarbeiten notwendig ist. Wenn die Heiztherme repariert oder der Warmwasserboiler getauscht werden muss, liegt

es ja ohnehin im Interesse des Mieters, dass er den von der Hausverwaltung beauftragten Handwerkern Zutritt zu seiner Wohnung gewährt. Aber auch beim Fenstertausch muss der Mieter die beauftragten Handwerker in die Wohnung lassen.


FRAGE: Die Handwerker sind aber nicht der Vermieter!

Zutrittsberechtigt sind der Vermieter, dessen Bedienstete, die Mitarbeiter der Hausverwaltung und alle vom Vermieter beauftragten Personen, die erforderlich sind um die jeweilige Maßnahme umzusetzen. Bei Gefahr in Verzug, zum Beispiel bei einem Wasserrohrbruch oder dem Verdacht, dass eine Gasleitung undicht ist, wird der Vermieter sogar berechtigt sein, die Wohnungstür gewaltsam öffnen zu lassen, wenn der Mieter nicht zu Hause ist.


FRAGE: Und wer bezahlt dann die kaputte Wohnungseingangstür?

Der Vermieter aus den Erhaltungs- und Verbesserungsbeiträgen. Die Wohnungseingangstür gehört genauso wie die Fenster zu den allgemeinen Teilen der Wohnhausanlage und die Erhaltung der allgemeinen Teile der Wohnhausanlage sind aus den Erhaltungs- und Verbesserungsbeiträgen zu finanzieren.


FRAGE: Zurück zum Thema. Gibt es noch andere Gründe, die den Vermieter, dessen Bedienstete oder von ihm beauftragte Personen, berechtigen die Wohnung zu betreten?

Da fallen mir spontan zwei Gründe ein: Zum einen wird der Vermieter berechtigt sein die Wohnung zu betreten, wenn ein begründeter Verdacht vorliegt, dass der Mieter seine Wohnung vernachlässigt, so dass Substanzschäden zu befürchten sind.

Zum anderen muss der Mieter nach erfolgter Aufkündigung der Wohnung die Besichtigung seiner Wohnung durch potentielle Nachmieter zulassen. Hier ist der Rahmen aber schon

ziemlich streng: Es werden einem ausscheidenden Mieter wohl nicht mehr als zwei bis drei Besichtigungstermine je Woche zumutbar sein und überdies muss der Besichtigungstermin mit dem ausscheidenden Mieter vereinbart werden. Hier kann der Mieter darauf bestehen, dass die Besichtigung zu einer ihm genehmen Tageszeit erfolgt.


Aber wie in den meisten Dingen gilt auch hier, dass ein offenes Gespräch zwischen vernünftigen Menschen dazu beiträgt Probleme zu vermeiden.


Mag. Robert A. Puhr, Ombudsmann

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23. Jänner 2020