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Wie werden wir Wohnen, Frau Schaunig?


Das neue Wohnbauförderungsgesetz, Unterstützungen für Mieter und die Zukunft des sozialen Wohnbaus.


Das Thema „Wohnen“ ist ein elementares Bedürfnis aller Menschen. Auf die aktuellen Herausforderungen muss die Politik mit entsprechenden Neuerungen, etwa mit einem

modernen Wohnbauförderungsgesetz, aktiv eingehen. Gerade die Lebenskonzepte von jungen Menschen befinden sich nämlich in starker Veränderung, ein durchgehendes Einkommen für die „Generation Praktikum“ sei keine Selbstverständlichkeit mehr. Daher wird das Land Kärnten auch die Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Wohnraum neu gestalten. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist in Begutachtung. Wir sprachen mit Wohnbaureferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig über das neue Wohnbauförderungsgesetz, Unterstützungen für Mieter sowie die Zukunft des sozialen Wohnbaus.


Wohn- und Lebensformen ändern sich – dem will man mit dem neuen Wohnbauförderungsgesetz Rechnung tragen. Was sind die Zielsetzungen dieses neuen Gesetzes? LHStv Dr.in Gaby Schaunig: Das neue Wohnbauförderungsgesetz wurde in mehrjähriger Vorbereitung erstellt und soll den modernen Anforderungen an ein Wohnbauförderungsgesetz Rechnung tragen. Dazu wurden Vorschläge der Fachabteilung aus deren Praxis, eine externe Evaluierung sowie eine durchgeführte Rechnungshofprüfung und Gespräche mit ExpertInnen wie z.B. Vertretern der gemeinnützigen Bauvereinigungen durchgeführt. Alle Anregungen wurden aufgenommen, und ich freue mich, dass wir nunmehr eines der modernsten Wohnbauförderungsgesetze Österreichs beschließen werden. Das Gesetz beinhaltet Erleichterungen für Häuslbauer - so wird es weniger Auflagen geben -, erhöhte Einkommensgrenzen und niedrigere Zinssätze für die Darlehen. Wir wollen die Ortskerne beleben und werden künftig auch die Kosten des Abbruchs für Reconstructingprojekte übernehmen. Vor allem möchten wir aber planbare Mieten und einen kontinuierlichen Mietverlauf - anders als die bisher vorhandenen massiven Mietzinssprünge, die sowohl die Mieterinnen und Mieter als auch die gemeinnützigen Bauvereinigungen vor große Probleme gestellt haben. Wir fördern neue Wohnformen und tragen somit der demografischen Entwicklung Rechnung. Vor allem wird es aber auch mehr Geld für Sanierung und Reconstructing geben, um die vorhandene Bausubstanz, die zum Großteil schon einmal gefördert errichtet worden ist, bestmöglich zu nützen.


Welche unterstützenden Maßnahmen werden ganz konkret gesetzt? Werden durch das neue Gesetz auch Möglichkeiten geschaffen, die Mieten zu senken? Gaby Schaunig: Leistbares Wohnen ist ein absoluter Schwerpunkt des neuen Gesetzes. Dafür ist vorgesehen, dass künftig auch gemeinnützige Bauvereinigungen von der Möglichkeit einer vorzeitigen begünstigten Rückzahlung Gebrauch machen können, aber nur unter der Voraussetzung, dass die dadurch erzielten Einsparungen auch an die Mieterinnen und Mieter weitergegeben werden. „meine heimat“ hat schon an mehreren Projekten gezeigt, dass es mit einer vorzeitigen Rückzahlung und dem Einsatz von Eigenkapital möglich ist, die Mieten auch nachhaltig zu senken. Generell ist aber festzuhalten, dass Kärnten erfreulicherweise ein niedriges Mietzinsniveau hat, wozu die gemeinnützigen Bauvereinigungen ganz maßgeblich beitragen.


Wird es auch Änderungen im Bereich der Sanierungen geben? Gaby Schaunig: Im neuen Gesetz und den darauf beruhenden Richtlinien wird es einen absoluten Schwerpunkt im Bereich der Sanierung geben.

Sowohl im Bereich der Energieeffizienz als auch im barrierefreien Wohnen wird es Impulse geben, und auch die qualitative Aufwertung bestehender Wohnräume (Lifteinbau, nachträgliche Errichtung von Balkonen, Adaptierung des Wohnumfeldes) wird möglich sein.

Die Form der Förderung wird auch unterschiedlich aussehen, wir werden verschiedene Fördermodelle, Annuitätenzuschüsse, Sanierungsdarlehen aber auch Direktzuschüsse anbieten.


Wird es gelingen, damit auch der Abwanderung der Ortskerne entgegenzuwirken? Gaby Schaunig: Ein zentrales Thema im neuen Wohnbauförderungsgesetz ist die Belebung von Orts- und Siedlungskernen. Und damit sind wir auch schon jetzt erfolgreich, denn nahezu alle neuen Bauvorhaben in Kärnten, die von gemeinnützigen Bauvereinigungen errichtet werden, liegen so zentral, dass die fußläufige Erreichbarkeit von öffentlichen Verkehrsmittel, Schulen, Kindergärten und Nahversorgern gewährleistet ist. Dies spart den Mieterinnen und Mietern Geld und belebt insbesondere im ländlichen Raum auch die Ortskerne.


Das System des gemeinnützigen Wohnbaus gibt es in dieser Form nur in Österreich. Worin liegen die Vorteile? Gaby Schaunig: Wir wissen das System des gemeinnützigen Wohnbaus oft nicht entsprechend zu schätzen, obwohl wir europaweit darum beneidet werden.

Das System des gemeinnützigen Wohnbaus stellt sicher, dass Gelder ausschließlich der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft zugeführt und die Mieten entprechend fair gestaltet werden.

Zudem strahlt der gemeinnützige Wohnbau auch in den Bereich der privaten Wohnungswirtschaft aus. In Kärnten haben wir zum Beispiel kaum private Mietobjekte, die den Mietzinsbeschränkungen des Mietrechtsgeseztes unterliegen. Die einzige Preisbremse stellt hier ein ausreichendes Angebot an gemeinnützigen Wohnungen sicher, das dazu führt, dass auch private Vermieter sich mit ihrer Mietzinsgestaltung am gemeinnützigen Wohnbau orientieren müssen.


Wie sieht die Zukunft des geförderten Wohnbaus aus? Was werden die großen Herausforderungen sein? Gaby Schaunig: Die große Herausforderung des geförderten Wohnbaus der Zukunft ist es, sicherzustellen, dass nicht durch gesetzliche Veränderungen die strikte Bindung der eingesetzten Finanzmittel aufgeweicht wird. Dem ist ganz klar entgegenzuwirken, denn jede Aufweichung würde dazu führen, dass Renditenerwartungen statt gesicherte Mieten im Mittelpunkt stehen. Des Weiteren werden sich Wohnformen ganz massiv ändern, da sich unsere Gesellschaft auch ändert. Um hier flexibel zu reagieren, wird das neue Wohnbauförderungsgesetz auch diese neuen Wohnformen berücksichtigen und dafür Förderungsmöglichkeiten vorsehen.

Vorzeigeprojekt und Vorbild für ganz Österreich: Lido/Landskron










Wird der vielfach schon vor allem in ländlichen Bereichen gesättigte Wohnungsmarkt auch die gemeinnützigen Bauvereinigungen treffen, wird in Zukunft weniger Wohnraum benötigt? Gaby Schaunig: Im ländlichen Raum sehen wir leider schon jetzt, dass wir einen Leerstand an Wohnungen haben, der unterschiedliche Gründe hat. Zum einen gibt es europaweit die Tendenz, in Ballungszentren zu siedeln, zum anderen sind gerade im ländlichen Raum ältere Mietobjekte vorhanden, die aufgrund der derzeitigen Wohnbauförderungsregeln höhere Mietzinse aufgrund der Annuitätensprünge haben. Hier gilt es in unterschiedlichen Bereichen anzusetzen: zum einen müssen wir gemeinsam mit den gemeinnützigen Bauvereinigungen durch eine Änderung der Finanzierung (vorzeitige Rückzahlung, Einsatz von Eigenkapital) dafür sorgen, dass die Mieten gesenkt werden. Zum anderen ist durch die Sanierungsförderung der Wohnraum attraktiv zu gestalten. Energieeffiziente Sanierung kann zu einer Absenkung der Betriebskosten führen, der Einbau des Liftes ist vielfach erforderlich, um für ältere Mieterinnen und Mieter die Wohnung barrierefrei erreichbar zu machen und die Nachrüstung mit Balkonen führt zu einer erhöhten Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer. Es gibt keine einfache Lösung, sondern die Gemeinden, die gemeinnützigen Bauvereinigungen und das Land sind gemeinschaftlich mit den Mieterinnen und Mietern gefordert, hier neue Konzepte zu entwickeln.

Die meine heimat ist vielfach Vorreiter und Impulsgeber im modernen Wohnen. Zeichen dafür ist auch die Errichtung der ersten meine heimat-Wohnanlage in der Landeshauptstadt Klagenfurt.


Die meine heimat setzt in Kooperation mit dem Land Kärnten bei allen Neubauten auf Architektenwettbewerbe und schafft somit großzügige Wohnqualität, bei der selbst Eigentumswohnbau vielfach nicht mithalten kann. Ist die meine heimat damit einen Schritt voraus? Gaby Schaunig: Ich bin davon überzeugt, dass Architektenwettbewerbe und eine vorausschauende Planung die beste Grundlage für eine gute Wohnqualität sind. Dabei bezieht sich meiner Auffassung nach die Planungsqualität nicht nur auf die Wohnung und den Wohnbau selbst, sondern auch auf das räumliche Umfeld und das Miteinander der Mieterinnen und Mieter. Daher sehen wir im neuen Wohnbauförderungsgesetz auch Fördermöglichkeiten für die soziale Infrastruktur vor, denn ein gutes Miteinander ist die beste Basis für eine hohe Wohnzufriedenheit.